“Das Tauziehen um die SED-Akten” – Jahresmitgliederversammlung

Am 10. September 2022 fand die 31. Jahresmitgliederversammlung des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung e. V. im ND-Bürogebäude, Franz-Mehring-Platz 1 in Berlin statt.

Traditionell wurde vorher ein öffentlicher wissenschaftlicher Vortrag organisiert. Dieses Mal sprach Christoph Stamm (Berlin), Politikwissenschaftler, Archivwissenschaftler und ehemaliger Redakteur der Deutschen Welle zu den Vereinsmitgliedern und Gästen.

Sein Thema lautete: “Das Tauziehen um die SED-Akten. Die Auseinandersetzungen um das Zentrale Parteiarchiv der SED seit 1990”. Christoph Stamm beleuchtete eindruckvoll und quellengesättigt den schwierigen und politisch konflikthaften Prozess des Umgangs mit den Archiven der SED nach der “Wende”  in der DDR  und in der Phase nach der staatlichen Einheit nach dem 3. Oktober 1990. Dabei erinnerte er auch die Sicherung der Einheit der Akten des Zentralen Parteiarchivs und ihrer öffentlichen Zugänglichkeit ohne Sperrfrist in der Stiftung Archive der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO), an das Schicksal des Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung, aus dem heraus auch die Gründung des Förderkreises hervorging, und an die höchst problematische Rolle der Treuhandanstalt.

Einladung zur Veranstaltung:

Vortrag zur Geschichte des ökologischen Landbaus im Beginenhof Kreuzberg

Der Geschichtssalon im Kreuzberger Beginenhof, einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt für Frauen und (wenige) Männer besteht seit 2007. Als eine der ältesten Hausbewohnerinnen lade ich dazu ein. Absichtlich nenne ich die Veranstaltung Geschichtssalon und nicht historischer Salon, weil es nicht nur um Geschichte, sondern auch um Geschichten geht. Es gab bereits zahlreiche Salons zu aktuellen und historischen Themen. Der Salon findet weiter regelmäßig in unregelmäßigen Abständen statt. Er ist ein Beitrag zum politischen Programm des Hauses für die Bewohner:innen, und für die anderen beiden Beginenprojekte in Berlin. Vor allem aber soll er die Menschen, die drinnen wohnen mit den Menschen von „außerhalb“, also aus dem Kiez und dem Rest von Berlin in Beziehung bringen, damit wir hier nicht nur im eigenen Saft schmoren und auf dem eigenen roten Sofa sitzen.

Am Donnerstag, dem 21. Juli 2022 ging es im Geschichtssalon um das Thema „Passion und Profession. Pionierinnen des ökologischen Landbaus“. Aus Tirol angereist kam die Agrar- und Sozialwissenschaftlerin

Mathilde Schmitt, die gemeinsam mit Heide Inhetveen und Ira Spieker ein Buch mit dem gleichen Titel geschrieben hat. Nach einer Einführung über die Geschichte des ökologischen Landbaus und seiner Wegbereiterinnen stellte Mathilde uns einige Lebensgeschichten der 51 im Buch aufgeführten Pionierinnen vor. Deutlich wurde durch ihren Vortrag vor allem, dass der ökologische Landbau keinesfalls heute oder in den 1970er Jahren erfunden worden ist, sondern dass er eine lange Tradition hat. Auch wurde mit dem Mythos aufgeräumt, dass die Geschichte diejenige ist, die ausschließlich „große Männer“ geschrieben haben.

Auch wenn sie heute zu Unrecht vergessen sind, so haben Pionierinnen wie Mina Hofstetter, Lili Kolisko, Gabrielle Howard, die Bodenexpertin Uta Lübke

die Bodenexpertin Uta Lübke. Photo: Angelika Lübke-Hildebrandt

und die Wurzelforscherin Lore Kutschera sowie die Schulgründerinnen von Hünibach: Gertrud Neuenschwander, Ruth Pfisterer und Hedwig Müller

die Schulgründerinnen von Hünibach. Auf dem Foto von links nach rechts sind zu sehen: Gertrud Neuenschwander (li), Ruth Pfisterer (Mitte) und Hedwig Müller (re). Photo: Gartenbauschule Hünibach, Schweiz.

einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung und Verbreitung einer alternativen Landwirtschaft. Schließlich forschten und experimentierten sie mit Leidenschaft. Sie und etliche andere publizierten, gründeten Schulen und brachten die biologische Landwirtschaft wie wir sie heute kennen, voran. Das Rad muss also nicht neu erfunden werden.

Mathilde Schmitt nahm uns mit auf die Reise durch die Frauengeschichte und ließ uns an ihren interessanten Forschungen teilhaben. Leicht hatten es auch die Pionierinnen aus dem europäischen Raum nicht immer.

Etliche erlebten zwei schrecklich Weltkriege und den Verlust von Beziehungspersonen, Inflation und Wirtschaftskrisen. Auch nach Niederlagen kämpften sie weiter für eine andere Landwirtschaft, eine andere Gesellschaft: „Für eine Zukunft ohne Not“, wie Annie Francé Harrar im Interview versichert hatte.

Gisela Notz ; 06.08.2022

Lesung und zum Gespräch mit Dr. Hans-Rainer Sandvoß, 28.09.2022

Mehr als eine Provinz! Widerstand aus der Arbeiterbewegung 1933-1945 in der preußischen Provinz Brandenburg“ mit dem Autor Hans-Rainer Sandvoß. Vortragsreihe der Stiftung Archive der Parteien und Massenorganisationen der DDR, des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung und der Johannes-Sassenbach-Gesellschaft am 28. September 2022

Für die Erforschung der Abgründe des Faschismus in Deutschland kann es keinen „Schlussstrich“ geben! Wie tief die NS-Diktatur in das Leben der Beherrschten eingriff ist noch immer nicht vollends ausgeforscht. Um so mehr gilt dies für jene Menschen, die den Mut besaßen, sich der Gewalt und den Drohungen des Regimes entgegenzustellen. Dabei fehlte noch eine Gesamtdarstellung des facettenreichen Widerstandes aus der Arbeiterbewegung in der preußischen Provinz Brandenburg. Hans-Rainer Sandvoß, der sich den Widerstandsbewegungen in den Berliner Bezirken schon seit Jahrzehnten gewidmet hat, hat diese Lücke nun eindrucksvoll geschlossen.

Wir laden Sie zu einer Lesung und zum Gespräch mit Dr. Hans-Rainer Sandvoß herzlich ein.

Mittwoch, d. 28. September 2022, ab 18 Uhr im großen Veranstaltungsraum des neuen Benutzungszentrums des Bundesarchivs, Finckensteinallee 63, 12205 Berlin[1]https://www.bundesarchiv.de/DE/Navigation/Home/home.html

Der Eintritt ist unentgeltlich.

Ehrensymposium für Dr. Reiner Zilkenat (20. Mai 1950 – 26. Februar 2020)

Kein Schlussstrich! Der Aufstieg des deutschen Faschismus und der antifaschistische Widerstand“

Ehrensymposium für Dr. Reiner Zilkenat (20. Mai 1950 – 26. Februar 2020)

Am 26. Februar 2020 verstarb der langjährige Vorsitzende des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Dr. Reiner Zilkenat. Er amtierte von 2011-2018 und leistete während dieser Jahre durch seine Publikationen und Aktivitäten sowie durch Symposien und deren Publikation einen bedeutenden Beitrag zur öffentlichen Wahrnehmung unseres Förderkreises. Sein Hauptaugenmerk galt dabei immer der Aufklärung über die Bedingungen und historisch-politischen Entwicklungen, die den Weg in die Diktatur des Hitlerfaschismus begünstigten ebenso über die politisch Handelnden, die den Aufstieg der NSDAP förderten. Und Reiner Zilkenat verlor nie aus dem Auge, wer sich – letztlich ja vergeblich – dem Faschismus in den Weg stellte. Unermüdlich sprach er darüber auf Veranstaltungen und Abenden und in Vorträgen, um die gewonnenen Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Er war ein Historiker, ein Didaktiker und ein Aufklärer, der unbedingt verhindern wollte, dass im vereinten Deutschland ein Schlussstrich unter die zwölf Jahre der Nazidiktatur und ihrer Nachwirkungen gezogen würden.

Ihm zu Ehren veranstaltet der Förderkreis ein Symposium mit dem Titel

Kein Schlussstrich! Der Aufstieg des deutschen Faschismus und der antifaschistische Widerstand“

am Samstag, d. 12. November 2022 von 14-18 Uhr in der Bibliothek der Rosa-Luxemburg-Stiftung in der Straße der Pariser Kommune 8a, 10243 Berlin, gegenüber des Ostbahnhofs.

Am 20.02.2022, wenige Tage vor seinen Ableben, führte die Koordination “Unvollendete Revolution 1918/19”, ein Interview mit Reiner Zilkenat zur Vorbereitung der Kundgebung “100 Jahre Kapp-Putsch – 100 Jahre Generalstreik – Massenstreik gegen Faschismus und Militarismus” am 14. März 2020 und fragten ihn: Wer waren die Putschisten und ihre Hintermänner?
Kamera, Ton und Bearbeitung: Ingo Müller

Beiträge haben bisher zugesagt:

Dr. Stefan Bollinger

„Auf der Suche nach dem Geheimnis, aus dem Kriege gemacht werden – einst und jetzt Überlegungen zu marxistischer Kriegsursachenforschung“

(Politikwissenschaftler/Historiker, Berlin)

Prof. i. R. Dr. Peter Brandt

“Die Kontroverse ueber die Rolle der Hohenzollern bei der Zerstörung der Weimarer Republik”

Historiker, Berlin/Hagen
FernUniversität in Hagen
Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften

Dr. Holger Czitrich-Stahl,

“Stichwortgeber, Wegbereiter, Steigbügelhalter – Die Mitverantwortung des Konservatismus für die Zerstörung der Weimarer Republik durch den Faschismus.”

Lehrer/Historiker Glienicke/Nordbahn

Vorsitzender des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung e.V. Berlin, Redakteur der “Arbeit – Bewegung -Geschichte”.

Dr. Stefan Heinz

“Der Berliner Metallarbeiterstreik 1930. Zur im Jahr 1989 in Berlin-Ost verteidigten Dissertation von Reiner Zilkenat”

Politikwissenschaftler und Historiker; Mitherausgeber der Buchreihe »Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung – Widerstand – Emigration« im Berliner Metropol Verlag

Benedikt Hopmann

“100 Jahre Streik gegen den Rathenaumord”

Rechtsanwalt, Berlin, Mitherausgeber der Buchreihe WIDERSTÄNDIG und politischer Aktivist. Mitglied der IG Metall, der VVN-BdA, VDJ, IALANA und DIELINKENeukölln.

http://www.kanzlei72a.de/ https://widerstaendig.de

Dr. Harald Wachowitz

“Geschichtsprojekte mit Reiner Zilkenat und das Erinnerungsbuch an Reiner”

(Philosoph, Wandlitz; Geschäftsführer Berlin-Brandenburger Bildungswerk)

Simona Schubertova

„Privatmann Reiner Zilkenat“

(Dahlwitz-Hoppegarten),gebürtige Tschechin die inzwischen 35 Jahre in Deutschland lebt(die tschechische Staatsbürgerschaft hat, da auch Tschechien in der EU ist) und ist in Prag geboren.

Prof. Dr. Günter Benser

“Dr. Reiner Zilkenat – Historiker und Antifaschist mit Leib und Seele”


Buchvorstellung:

“Reiner Zilkenat”

Dieser Gedenkband ist dem Leben und Wirken des marxistischen Historikers Reiner Zilkenat gewidmet und erschien in der “edition-bodoni”

Foto: edition-bodoni

Einladung zu Veranstaltung: Mathilde Schmitt, Passion und Profession. Pionierinnen des ökologischen Landbaus

Dr. Gisela Notz lädt zur Veranstaltung “Mathilde Schmitt, Passion und Profession. Pionierinnen des ökologischen Landbaus” ein. [1]Zuletzt erschienen: Gisela Notz, Theorien alternativer Wirtschaft, Stuttgart: Schmetterling, theorie.org. 2022, 3. stark überarbeitete Aufl. Gisela Notz: Genossenschaften. Geschichte, Aktualität … Continue reading[2]http://www.gisela-notz.de/

Am Donnerstag, 21. Juli 2022, um 19.30 Uhr geht es in unserem Geschichtssalon um ein historisches wie auch aktuelles Thema:

Passion und Profession. Pionierinnen des ökologischen Landbaus

Die Agrar- und Sozialwissenschaftlerin Mathilde Schmitt wird das gleichnamige Buch vorstellen, das sie gemeinsam mit Heide Inhetveen und Ira Spieker im oekom-Verlag in München veröffentlicht hat.

Die Geschichte des ökologischen Landbaus wurde bisher vor allem als diejenige »großer Männer« geschrieben. Weitgehend unbeachtet ist geblieben, in welchem Ausmaß Frauen die Entwicklung und Verbreitung einer alternativen Landwirtschaft vorangetrieben haben. Mathilde Schmitt wird die Lebensgeschichten und Leistungen einiger dieser zu Unrecht vergessenen Wegbereiterinnen nachzeichnen, die mit Leidenschaft forschten, experimentierten, publizierten, Schulen gründeten und damit die biologische Landwirtschaft maßgeblich voranbrachten.

Wir freuen uns sehr, dass Mathilde Schmitt, die ich während meiner Arbeit an der Universität Essen kennenlernen durfte, für einen spannenden Abend mit anschließender Diskussion aus Tirol zu uns kommen wird.

Wir bitten um Anmeldung unter gisela.notz@t-online.de, da die Zahl der Teilnehmer*innen wegen der aktuellen Corona-Situation beschränkt sein könnte. Bitte Masken mitbringen und tragen, bis ihr/Sie am Sitzplatz seid. Wir freuen uns auf euren/Ihren Besuch.

Der Eintritt ist frei, Spenden für die Autorin sind willkommen. Das Buch kann nach der Veranstaltung erworben werden.

Ort: Geschichtssalon im Beginenhof Erkelenzdamm 51/Gemeinschaftsraum – 10999 Berlin

Einlass über die Klingel: Erkelenzdamm 51, Gemeinschaftsraum

References

References
1 Zuletzt erschienen: Gisela Notz, Theorien alternativer Wirtschaft, Stuttgart: Schmetterling, theorie.org. 2022, 3. stark überarbeitete Aufl. Gisela Notz: Genossenschaften. Geschichte, Aktualität und Renaissance, Stuttgart: Schmetterling 2021, 16,80 €. Gisela Notz (Hg): Kalender 2023: Wegbereiterinnen XXI, Neu-Ulm: AG SPAK Bücher, DIN A 3-Format mit 12 Wegbereiterinnen der emanzipatorischen Frauenbewegung. 14,50 €, in Arbeit. Gisela Notz (Hg.): Wegbereiterinnen. Berühmte, bekannte und zu Unrecht vergessene Frauen aus der Geschichte, Neu-Ulm: AG SPAK Bücher 2020, 3. Aufl. 24 €. Gisela Notz, Feminismus, Köln: PapyRossa 2021, 3. erweiterte und aktualisierte Auflage 9,90 €. Gisela Notz: Kritik des Familismus. Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes, Stuttgart: Schmetterling, theorie.org. 2015, 12 €. Alle Veröffentlichungen in jeder Buchhandlung.
2 http://www.gisela-notz.de/

Vorabdruck

Der nachfolgende Beitrag zur Gedenkstätte Bittermark in Dortmund konnte nicht mehr ins Heft 61 aufgenommen werden. Aus Aktualitätsgründen ist er nun auf unserer Webseite vorab veröffentlicht. Wir danken für den überaus lesenswerten Beitrag.

https://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/ausunsererstadt/bittermark/startseite_bittermark/index.html

Das Mahnmal in der Dortmunder Bittermark

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs erschoss die Dortmunder Gestapo vor ihrem Rückzug aus der Stadt noch mehr als 200 Menschen. Nachdem man bereits zuvor osteuropäische Zwangsarbeiter*innen eigenständig exekutiert hatte, stiegen die Zahlen der Opfer mit den sich nähernden Fronten und vor allem einem steigenden Kontrollverlust des deutschen Sicherheitsapparates immer mehr an. Sie wurden zuletzt nicht mehr zur Exekution in ein KZ überstellt, sondern direkt vor Ort erschossen. Nach einer ersten Massenexekution am 4. Februar 1945 in der Nähe von Lüdenscheid ermordeten Gestapo-Beamte in der Dortmunder Bittermark zwischen dem 7. und dem 24. März auf beziehungsweise in der Nähe der „Spielwiese“ im Rahmen von drei weiteren Massakern 75 Menschen.

In der Nacht auf Karfreitag, dem 30. März 1945, begannen Erschießungen an Bombentrichtern im Dortmunder Rombergpark. Allein zwischen Karsamstag und Ostermontag wurden etwa 90 Häftlinge erschossen. Im Zusammenhang mit dem Rückzug aus Dortmund und weil aufgrund des geschlossenen Ruhrkessels Häftlingsevakuierungen unmöglich geworden waren, erschoss man nun auch Deutsche und westeuropäische Zwangsarbeiter*innen, die zuvor eigentlich der Justiz überstellt werden mussten. Das Morden ging noch bis zum 9. April weiter. So wurden an sechs Bombentrichtern im Rombergpark etwa 145 Menschen ermordet. Die Tatorte näherten sich dabei zuletzt immer mehr der Gestapodienststelle in der Benninghofer Straße. Die letzten drei Opfer wurden auf einem nahegelegenen Bahngelände erschossen.

Bald darauf wurden die Massengräber gefunden und die Opfer exhumiert. 91 Tote wurden in einem Gemeinschaftsgrab auf der „Spielwiese“ in der Bittermark, 137 auf dem katholischen und dem evangelischen Friedhof in Hörde beigesetzt. Bereits am 26. August 1945 fand auf dem Dortmunder Hansaplatz eine erste Trauerkundgebung statt, bei der Fritz Henßler für die SPD und Josef Smektala für die KPD – beide NS-Verfolgte – sprachen. Es folgten weitere Gedenkveranstaltungen in den Jahren darauf, ab 1946 auch an Karfreitag. 1947 entstanden auf Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) auf der Spielwiese in der Bittermark und auf den beiden Friedhöfen in Dortmund-Hörde erste kleinere Mahnmale.

1950 wurde ein neues, größeres Mahnmal auf der Spielwiese in der Bittermark errichtet und am 6. August des Jahres im Rahmen einer Gedenkveranstaltung, bei der Oberbürgermeister Fritz Henßler und der Oberstadtdirektor Wilhelm Hansmann, ebenfalls NS-Verfolgter, sprachen.

Das Mahnmal selbst bestand aus einem Sandsteinturm auf dem sich eine Feuerschale befand und an dessen Vorderseite eine Tafel mit der Inschrift “Gemordet von verruchter Hand, sei Euer Blut der Freiheit Unterpfand. Karfreitag 1945” angebracht war.

Quelle: Stadtarchiv Dortmund; Fertigstellung Zweites Ehrenmal Bittermark

Die Skulptur des ersten Mahnmals wurde in das neue integriert.

Quelle: Stadtarchiv Dortmund; Erstes Mahnmal für die Opfer NS Bittermark

Bereits im Oktober 1953 beantragten die VVN und die Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter Sozialdemokraten (AvS) die Errichtung eines neuen „Ehrenmals“ in der Bittermark. Die Begründung lautete folgendermaßen: „Inzwischen hat sich aber doch herausgestellt, dass das Ehrenmal wie es jetzt besteht, in keiner Weise geeignet ist, als Dankesschuld der Bevölkerung für diejenigen angesehen zu werden, die ihren Kampf gegen ein unfassbares Verbrechertum mit ihrem Leben bezahlen mussten.“ Gleichzeitig sollte ein zentraler Gedenkort geschaffen, weil unter anderem die beiden Friedhöfe als für größere Veranstaltungen ungeeignet eingeschätzt wurden. Dementsprechend wurden 1954 die Leichen in der Bittermark und auf den beiden Hörder Friedhöfen exhumiert und zusammen in einer neu geschaffenen Anlage hinter dem Mahnmal auf der Spielwiese in der Bittermark beigesetzt. Die Einweihung unter erstmaliger Schirmherrschaft der Stadt Dortmund wurde auf Karfreitag 1954 gelegt und stellte die Geburtsstunde der bis heute durchgeführten zentralen Gedenkfeiern dar.

Im Jahr darauf wurde mit den Arbeiten an einem dritten Mahnmal in der Bittermark begonnen. Beauftragt wurden der Künstler Karel Niestrath und der Architekt Will Schwarz. Diese legten im März 1955 dem Rat der Stadt Dortmund ein Entwurfsmodell vor. Am 28. Juli 1955 wurde der Entwurf durch den Rat genehmigt und ein kleiner beratender Sonderausschuss gebildet. Im Oktober mit 1956 wurde mit den Betonarbeiten begonnen.

Ebenfalls seit 1956 gab es Kontakte zwischen der Stadt Dortmund und der französischen Fédération Nationale des Déportés du Travail (FNDT, Nationale Föderation der Arbeitsdeportierten). Da unter den Opfern im Rombergpark auch französische Zwangsarbeiter waren, erklärte die FNDT das Mahnmal in der Bittermark zum zentralen Gedenkort für die französischen Arbeitsdeportierten in Deutschland. An Karfreitag 1958 wurde ein namenloses französisches Gestapo-Opfer in der Krypta des noch nicht fertiggestellten Mahnmals symbolisch beigesetzt und eine zweisprachige (Französisch/Deutsch) Gedenktafel angebracht. Anwesend waren Vertreter der französischen und belgischen Regierung und der sowjetischen Botschaft, darüber hinaus eine Delegation der FNDT sowie weitere Menschen aus Frankreich. Die künstlerische Ausgestaltung der Krypta mit einem Marmormosaik erfolgte durch den bekannten französischen Künstler Léon Zack. Dargestellt wird unter anderem ein Stacheldrahtgeflecht zur Erinnerung an die mit Draht gefesselten Opfer und über der Tür findet sich in Großbuchstaben das Wort PAX (Frieden). Darüber hinaus wurde später die Erinnerungstafel des belgischen Verbandes der Arbeits- und Zwangsdeportierten im Krypta-Inneren angebracht. Die endgültige Fertigstellung des Mahnmals zog sich dagegen länger hin als zunächst geplant. Erst am Karfreitag, dem 15. April 1960 konnte nach etwa vier Jahren die offizielle Einweihung unter anderem durch den Dortmunder Oberbürgermeister Dietrich Keuning und eine französische Delegation erfolgen.

Das an eine Gefängniszelle erinnernde Mahnmal zeigt am Kopfende unter der Inschrift Gemordet Karfreitag 1945 die Figur eines gefesselten, abgemagerten und kahlköpfigen NS-Opfers. An den Längsseiten sind das Leiden und Sterben in den Konzentrations- und Vernichtungslagern auf der einen und im Rombergpark und der Bittermark auf der anderen Seite sowie der Widerstand gegen den Nationalsozialismus die Hauptthemen der gezeigten Reliefs. Bei den dargestellten Tätern handelt es sich um abstrakte, roboterhafte Wesen. Menschen kommen nur als Opfer oder Widerstandsaktivisten vor, die einen Märtyrertod am Kreuz sterben.

Quelle: Stadtarchiv Dortmund ; Mahnmal heute

Bis heute stellen die zu Karfreitag jeden Jahres am Mahnmal in der Bittermark durchgeführten Gedenkveranstaltungen die größten ihrer Art in Dortmund dar und gelten allgemein als zentrale städtische Gedenkfeier.

Literatur und Quellenbestände:

  • Asshoff, Wolfgang: Die Dortmunder Bittermark und ihr Mahnmal. Eine Dokumentation, Dortmund 1988.
  • Dams, Carsten/Stolle, Michael: Die Gestapo. Herrschaft und Terror im Dritten Reich, München 2009.
  • Günnewig, Markus: „Gemordet Karfreitag 1945“. Erinnerungsorte zu den Massenmorden der Dortmunder Sicherheitspolizei, in: Heimat Dortmund 1/2011, S. 24-29.
  • Ders.: Kriegsende 1945. Massenmord in Dortmund, in: Heimat Dortmund 1/2015, S. 20-28.
  • Högl, Günther: Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933-1945. Ständige Ausstellung und Dokumentation im Auftrage der Stadt Dortmund erstellt vom Stadtarchiv, Dortmund 1981.
  • Junge, Lore: Mit Stacheldraht gefesselt. Die Rombergparkmorde – Opfer und Täter, Bochum 1999.
  • Rüter, Christiaan F. (Hg.): Justiz und NS-Verbrechen, Band XXXVI, Amsterdam 2006.
  • Zänker, Jürgen u.a.: Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme, Dortmund 1984.
  • Stadtarchiv Dortmund, Best. 424 (Kriegschronik), Best. 167 (Garten- und Friedhofsamt), Best. 100 (Stadtamt für Angelegenheiten des Rates), Best 454 (Nachlass Henßler).
  • Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, Q 223 (Staatsanwaltschaft Dortmund), Nr. 1983ff.

Autor: Markus Günnewig (Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache
Stadtarchiv Dortmund)

Fallschirmseide, 12. Mai 2022

Donnerstag, d. 12. Mai 2022 im Kiezladen Zusammenhalt,

Dunckerstraße 14, 10437 Berlin ab 19 Uhr.

Fallschirmseide“ – μετάξυ αλεξιπτώτων – Deborah Jeromin (Leipzig) stellt das gleichnamige Buch- und Filmprojekt vor.

Deborah Jeromin erzählt die Geschichte der Fallschirmseide – von der NS-Seidenraupenzucht in Gartenvereinen über die Luftlandeschlacht auf Kreta bis hin zur dortigen Wiederverwendung der Fallschirme als Taschentücher und Kleider. Ende der 1930er Jahre wurde in einem Leipziger Kleingartenverein Maulbeeren angepflanzt, um Seidenraupen für die Produktion von Fallschirmen zu züchten, da Maulbeerblätter das einzige Futter der Seidenraupen sind.Vom “Reichsluftfahrtministerium” finanziert und propagiert, wurde die Seidenraupenzucht eingeführt um autark von Seiden-Importen zu werden. Die “deutsche” Zucht wurde jedoch nie so effektiv, dass annähernd genügend Seide produziert werden konnte. Am 20. Mai 1941 begann der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Kreta. Der Einsatz von ca. 10 000 Fallschirmjägern war der Anfang der deutschen Terror-Herrschaft auf der Insel. Bis Ende 1944 folgten Massen-Exekutionen und das Niederbrennen von vielen Dörfern.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung e.V. und die Kiezladens „Zusammenhalt“.

Deborah Jeromin: Fallschirmseide.
Spector Books, Hrsg: Anne König, Übersetzung: Alex Dimitriou (Deutsch/Griech.).
ISBN 978-3-95905-395-2. Preis: 20,00 Euro

(Der Eintritt ist frei. Es gelten die aktuellen Corona-Schutzbestimmungen)

Einladung zur 31. Jahresmitgliederversammlung, 10.09.2022

Liebe Vereinsmitglieder, sehr geehrte Damen und Herren,

der Vorstand unseres Förderkreises hat die diesjährige Jahresmitgliederversammlung

für Samstag, den 10. September 2022, einberufen und schlägt Ihnen folgende Tagesordnung vor:

1. Regularien

1.1. Eröffnung und Genehmigung der Tagesordnung/Wahl der Versammlungsleitung

1.2. Bestätigung des Protokolls der 29./30. Jahresmitgliederversammlung

2. Berichte des Vorstandes

2.1. Erläuterung des Geschäftsberichts 2021

2.2. Kassenbericht 2021

2.3. Bericht der Kassenprüfer

3. Diskussion und Abstimmung über die Berichte

3. Berichte

3.1 Zur Entwicklung der SAPMO

3.2. Zum Zeitgeschichtlichen Archiv (ZGA)

4. Bericht des Wissenschaftlichen Beirats der Mitteilungen

5. Verschiedenes/Schlusswort

Die Jahresversammlung findet im ND-Verlags – und Bürohaus am Franz-Mehring-Platz-1, 10243 Berlin, im Salon im 1. Stock statt.

Wie immer geht der Jahresmitgliederversammlung des Förderkreises ein öffentlicher Vortrag voraus. Dieses Mal wird er gehalten von Christoph Stamm (Berlin) [1]geb. 1971 in Aachen, aufgewachsen in Menden/Sauerland Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und des Staatsrechts an der Universität Bonn / Zweithörer für Geschichte an der Universität … Continue reading

Tauziehen um die SED-Akten. Die Auseinandersetzung um das Zentrale Parteiarchiv nach 1990[2]http://archive.fabgab.de/wp-content/uploads/2022/07/RbSq.pdf

Beginn: 10.30 Uhr.

Wir bitten um zahlreiches Erscheinen.

Der Vorstand


Anmerkungen zur Tagesordnung und organisatorische Hinweise

Das von der Versammlung zu bestätigende Protokoll der 29./30. Jahresversammlung finden Sie in den „Mitteilungen“, Heft 61/März 2022, S. 83ff.

Der zur Diskussion stehende Geschäftsbericht für das Vereinsjahr 2021 ist in Heft 61/März 2022, S. 88ff der „Mitteilungen“ abgedruckt.

Wir werden uns bemühen, im Vorfeld der Jahresmitgliederversammlung ein konstituierendes Treffen des Wissenschaftlichen Beirats der „Mitteilungen“ zu organisieren.

Zwischen der Informationsveranstaltung und der Mitgliederversammlung bieten wir Ihnen einen Imbiss an.

Vor den Veranstaltungen und während der Pausen haben Sie die Möglichkeit, ihren Mitgliedsbeitrag zu entrichten.

Anträge und Vorschläge richten Sie bitte an die Adresse unseres Vorsitzenden:

Dr. Holger Czitrich-Stahl, Beethovenstraße 51, D- 16548 Glienicke/Nb. – Tel.: 033056-77417 – E-Mail: czitrich-stahl@arcor.de

Verkehrsverbindung

Sie erreichen den Tagungsortüber folgende Verkehrsverbindung:

Vom (S-)Bahnhof Ostbahnhof zu Fuß ca. 450m auf der Straße der Pariser Kommune in Richtung Nordost.

n uns bemühen, im Vorfeld der Jahresmitgliederversammlung ein konstituierendes Treffen des Wissenschaftlichen Beirats der „Mitteilungen“ zu organisieren.
Zwischen der Informationsveranstaltung und der Mitgliederversammlung bieten wir Ihnen einen Imbiss an.
Vor den Veranstaltungen und während der Pausen haben Sie die Möglichkeit, ihren Mitgliedsbeitrag zu entrichten.
Anträge und Vorschläge richten Sie bitte an die Adresse unseres Vorsitzenden:
Dr. Holger Czitrich-Stahl, Beethovenstraße 51, D- 16548 Glienicke/Nb. – Tel.: 033056-77417 – E-Mail: czitrich-stahl@arcor.de

Verkehrsverbindung
Sie erreichen den Tagungsort über folgende Verkehrsverbindung:
Vom (S-)Bahnhof Ostbahnhof zu Fuß ca. 450m auf der Straße der Pariser Kommune in Richtung Nordost.

References

References
1 geb. 1971 in Aachen, aufgewachsen in Menden/Sauerland

Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und des Staatsrechts an der Universität Bonn / Zweithörer für Geschichte an der Universität Köln
Abschluss: Magister Artium

berufsbegleitender Masterstudiengang Archivwissenschaft an der Fachhochschule Potsdam
Abschluss: Master

über 20jährige redaktionelle Tätigkeit im Hauptstadtstudio (Politikredaktion) der Deutschen Welle

parallel dazu langjährige Projekttätigkeiten im Bundesarchiv, vornehmlich in der ehem. ‘Abteilung DDR’

ab 2015 verschiedene Projekttätigkeiten im Archiv der DDR-Opposition der Robert-Havemann-Geserllschaft e. V.

seit 2021 Wissenschaftlicher Archivar im Archiv der DDR-Opposition der Robert-Havemann-Geserllschaft e. V.

2 http://archive.fabgab.de/wp-content/uploads/2022/07/RbSq.pdf